Hier konnten sich die Herren der Gesellschaft, nach dem Essen, zum Rauchen und Spielen zurückziehen.
Die Herrschaften haben den Raum so voll gequalmt, dass die Decke angeschwärzt wurde. Dies versuchte man zu kaschieren, indem man die Stuckkassetten an der Decke mit Graphit überzog. Dadurch sollte man die Rauchverfärbung an der Decke weniger sehen.
Spielschulden wurden auf der in den Tisch eingelassenen Schiefertafel mit Kreide notiert. Daher der Spruch "Bei jemandem in der Kreide stehen".
Schon fast erdrückend die gewobenen Goldbrokat-Tapeten und die schweren Damastvorhänge. Wenn ich mir vorstelle wie die Spielenden hier in ihrem Dampf waren und alles schwer und stinkend an den edlen Stoffen hängen blieb.
Amalie Zephyrine von Salm-Kyrburg (* 6. März 1760 in Paris; † 17. Oktober 1841 in Sigmaringen) heiratete 1782 den Erbprinzen Anton Aloys von Hohenzollern-Sigmaringen und gilt als die „Retterin Hohenzollerns“. Sie stammte aus einer deutschen Adelsfamilie, die überwiegend im Umfeld des Hofes von König Ludwig XVI. lebte.
Über dem Canapé im Biedermeier-Stil thront das Gemälde von
Eleonora de' Medici, Herzogin von Mantua.
Nur drei Damen fanden Platz auf diesem monströsen Sofa.
Ich habe mir versucht vorzustellen, wie ich da in meinen Dutzend Unterröcken, dem Drahtgestell, eingeschnürt
in ein Korsett, mit einem spitzenbesetzten Übergewand da sitzen und ohne Hilfe wieder aufstehen sollte.
Ich denke mir, schon das Hinsetzen war ein Abenteuer, da darf man gar nicht daran denken, dass irgendwann
der Zeitpunkt des Erhebens kommen wird.
Neugierig geworden fragte ich mich, warum ausgerechnet ein Gemälde von Eleonora de' Medici über dem Sofa der Fürstin hing.
Kurz zusammengefasst: Die mächtigen Dynastien der Medici und der Hohenzollern waren historisch nicht direkt miteinander
verwandt oder verschwägert, doch ihre Wege kreuzten sich auf folgenschwerste Weise auf kirchenpolitischer und finanzieller Ebene.
Albrecht von Brandenburg, ein hochrangiger Prinz aus dem Hause Hohenzollern häufte Ämter an. Er wurde Erzbischof von Magdeburg
und Mainz. Dies verstiess gegen das geltende Kirchenrecht. Da der Medici-Papst dringend Geld für den prunkvollen Bau des Petersdoms
in Rom brauchte mussten die Hohenzollern die Summe von 29.000 Goldgulden für eine offizielle päpstliche Ausnahmegenehmigung an den
Medici-Papst bezahlen.
So kann man sich auch näher kommen.
Der Französische Salon war das Speisezimmer der Fürsten.
Der Tisch konnte für bis zu 30 Personen ausgezogen werden.
Vergoldete Stuckaturen vom Feinsten verzieren die Wände, Simse und Deckenbereiche.
Dieser überwältigende Saal wurde 1736 gebaut. Hier werden 26 überlebensgrosse Ölgemälde, von Fürsten und Grafen des Hauses Hohenzollern gezeigt. Die barocken Stuckarbeiten und Deckengemälde stammen aus dieser Zeit, während die 26 Ahnenbilder im 19. Jahrhundert von verschiedenen Malern angefertigt wurden.
Diese riesigen "Schinken" sind mit Absicht auf einer Höhe platziert, dass der Betrachter sich klein und unscheinbar vorkommen muss. Die hohe Kunst des Malens greift hier zu 100%, denn die Herrschaften schauen gebieterisch auf das Fussvolk herunter. Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass eine Magd, hier mit eingezogenem Kopf durch gelaufen ist und sich beeilt hat aus dem Blickfeld der Gemälde zu kommen.
Das Königs- und Kaiserzimmer ist in Gold- und Rottönen gehalten. Die Tapete ist gewobene Seide.
Der Spiegel wurde aus Muranoglas in Venedig gefertigt. Um ihn mit Ross und Wagen
von Italien über die Alpen zu transportieren, wurde er in geschmolzene Butter eingelassen,
welche nach dem Abkühlen für eine sichere Beförderung sorgte.
Daher kommt auch die Redewendung, „Es ist alles im Butter“.
Wir folgen brav weiter dem roten Teppich.
Der grosse Festsaal wird noch heute für Lesungen und Theater genutzt.
Der Brunnen wurde um 1826 im Auftrag des Fürsten Anton Aloys von Hohenzollern-Sigmaringen gegossen.
Ich werde nie verstehen warum es Spass machen soll, Tiere aus purer Freude am Töten abzuknallen
und ihre Überreste an die Wände zu hängen. Diese Bilder erspare ich euch!
Im Jagdzimmer geht es eine enge Treppe hinunter, in das kühle Kellergewölbe.
Hier steht und hängt so einiges herum, um sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen und die Köpfe einzuschlagen.
Der Mensch will über allem stehen und dann so etwas?!
Wir verlassen das Kellergewölbe und es ist als ob man in eine Wand läuft.
Im Schlosshof sind es 35 Grad im Schatten.
Wir haben es zum Glück nicht weit bis zum Auto und fahren zurück zum Campinggarten.
Weil der Campinggarten auf einem Hügel ist, weht da immer ein angenehmes Lüftchen.
Der Besuch im Schloss war interessant. Es ist erstaunlich was zu der Zeit alles
gebaut wurde. Die Steinmetz- und Stuckarbeiten sind absolut grandios. Der Einfallsreichtum bei
der Deckenbemalung in Verbindung mit Stuck ist Kunst in Vollendung. Ebenso die vielen Holz- und Schnitzarbeiten.
Wer gerne in der Geschichte zurückreisen will,
dem kann ich einen Besuch in diesem alten Gemäuer sehr empfehlen.
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