Drachen sind für mich nicht nur Fabelwesen, sondern der Ursprung für viele zauberhafte Geschichten
und nicht nur das – vor sehr langer Zeit habe ich meinem Sohn versprochen, dass er ein solches Fabelwesen bekommt und zwar von mir.
Einen Drachen der macht was ein Glücksdrache macht. Ihm Glück bringt und ihn beschützt.
Genau jetzt war der richtige Zeitpunkt dieses Versprechen wahr zu machen und wie kann das besser gehen als mit einem Klumpen Ton.
Diesmal muss es dunkler Ton sein, um meiner Idee Gestalt zu geben.
Damit beim Formen nicht zuviel Feuchtigkeit in die Holzunterlage geht, habe ich sie mit einer dünnen Plastikfolie eingepackt.
Jetzt wird nichts ausgerollt sondern einfach der Ton-Klumpen geformt. Das schöne dabei ist,
ich kann Ton abtragen und wieder auftragen bis mir die Form gefällt. Im Moment sieht es noch nach
Pferdekopf aus. Das wird sich aber nach und nach ändern.
Der Ton muss eine gewisse Feuchtigkeit haben um formbar zu sein, dies macht ihn aber instabil.
Der Kopf würde quasi vom Hals kippen. Damit alles so in Form bleibt wie ich das will, stützt
eine Holzleiste den Kopf. Die Leiste ist auch eingepackt.
Der nächste Schritt gefällt mir gar nicht, aber es muss sein.
Ein riesiger Ballen Ton trocknet fast nicht aus. Wenn dieser Ton noch nass gebrannt wird, fängt die zu viel vorhandene
Feuchtigkeit an zu kochen. Das Resultat ist eine gesprungene Form. Dies wird verhindert indem die Form ausgehöhlt wird.
In meinem Fall heisst das, den Kopf mit dem Draht halbieren, aushöhlen und wieder nahtlos zusammenfügen.
Ein grosser Ton-Klumpen ist nun aus dem Kopf entfernt worden. Fast die Hälfte der Masse. Damit beim Aushöhlen die Form keinen Schaden nimmt liegt sie auf Schaumstoff. Bahn um Bahn wird herausgelöst.
Es ist tückisch dieses Aushöhlen, denn zuviel, macht das die Form zusammensackt. Zu wenig verhindert das Austrocknen. Ist die Form wieder zusammengefügt, werden die weiteren Details herausgearbeitet. Für mich ist das nun eine weitere Testphase. Was hält und was nicht?
Die Frisur hat es wirklich in sich. Die angebrachten Stacheln brechen. Sie sind für das Gewicht das sie aushalten müssen an der Basis zu dünn. Neuer Versuch – Jeder Stachel einzeln einsetzen und mit dünnen Schaumstoffbahnen stützen zum antrocknen. Am Hinterkopf kommen zwei Reihen Haare/Mähne hinzu.
Da Grá nicht einfach in 5 Minuten geformt ist, wird er immer wieder mit einem feinen Sprühregen feucht gehalten
und bei heiklen feinen Stellen, die zu schnell trocknen und brechen könnten zusätzlich mit Klarsichtfolie abgedeckt.
Muss Grá ein paar Tage warten bis ich ihn weiter forme, wandert er gut eingepackt in die Zauberkiste. Eine grosse
Aufbewahrungsbox, die er sich dann mit anderen wartenden Werken teilt. In dieser Box trocknet er nicht aus.
Die zweite Frisur war auch Nonsens. Die Stacheln sind ebenso bei der leichtesten Berührung abgebrochen. Jetzt hat er stabile Zacken auf dem Kopf und ich finde die stehen ihm gut. Um den Hals hat er ein Schuppenkleid bekommen und er taucht nun aus einem Brunnen oder Festungsturm auf.
Irgendwo aus der Tiefe kommt noch ein Stück Schwanz ans Tageslicht und diesen legt der Drache auf der Brüstung ab. Bevor die Füsse an die Reihe kommen wird die Steinmauer und der Schwanz nochmals sauber nachgearbeitet. Es gilt viele Ton-Krümel zu entfernen.
Die Füsse – Das gibt wieder ein hin und her mit Ton auftragen und abtragen, bis es wie Füsse mit langen Zehen und Krallen aussieht.
Grá ist ein altirischer Name und bedeutet der Edle, der Noble und in seiner einfachsten Form bedeutet Grá Liebe.
Da ist er nun mein Drache – an den dünneren Stellen schon etwas angegraut vom Trocknungsprozess.
Viele Stunden, viele Gedanken und nun sitze ich da an meinem aufgeräumten Arbeitsplatz.
Grá kommt nicht mehr in die Zauberbox und nicht mehr in Folie. Er wird nun geduldig warten, dass er trocknet.
Ungefähr 14 Tage wird es dauern, bis er gut durchgetrocknet ist, dann heisst es Daumen drücken für den ersten Brand.
14 Tage trocknen war sehr optimistisch, denn sie reichten nicht aus. Grá liess sich Zeit und wartete geduldig eine weitere Woche auf seinem Tablar.
Es ist viele Jahre her, dass ich meinem damals 5 Jahre alten Sohn versprochen habe, dass er von mir irgendwann einen Drachen bekommt. Einen ganz lieben, der ihn beschützt. Versprechen sind dazu da, dass man sie hält! Nun war es soweit. Grá wurde zweimal bei mehr als Tausend Grad gebacken im Brennofen. Wenn man ihn nun mit dem Finger anschnippt, klingt er fast wie eine Glocke.
Grá ist nun da, wo er hingehört – bei Mike
Und ich konnte mein Versprechen endlich einlösen!
Wenn du auch mit Ton arbeiten willst, kann ich dir Ceramicspace sehr empfehlen!
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